Mario ist weg
Mai 27
Tag 1 nach dem unvermeidlichen Wechsel von Mario Gomez zum FC Bayern München. Tag 1 meines zweiten Versuchs mit dem VfB-Blog.
Ich habe mir schon lange Gedanken gemacht, wann denn der richtige Zeitpunkt für einen Neustart des VfB-Blogs wäre. Das war etwa zu dem Zeitpunkt, als die Aufholjagd in der Rückrunde startete. Doch als dann ein Sieg nach dem anderen eingefahren wurde habe ich mich doch zurückgehalten. Ich wollte
nicht als Erfolgsfan verschrieen werden. Nun also der Start nach einem besonders schweren Tag für den gemeinen VfB-Fan. Tag 1 des “neuen” VfB.
Seltsam eigentlich, dass ein Spieler, den vor drei, vier Jahren noch niemand auf der Rechnung hatte so einen Wirbel erzeugt, machen sogar den Boden unter den Füßen wegzieht, bei den meisten aber zumindest ein Gefühl der Ohnmacht hinterlässt.
Seltsam auch, weil man sich auf den Wechsel über ein Jahr vorbereiten konnte.
Seltsam vor allem, weil die Enttäuschung nicht durch den Wechsel an sich ausgelöst wird, sondern durch durch das Ziel des Wechsels: wieder einmal Bayern München.
Ein Leserkommentar in der Stuttgarter Zeitung beschreibt das recht schön. “Ein Wechsel ins echte Ausland hätte jeder verstanden.”. Die meisten VfB-Fans wären sogar stolz wie Bolle gewesen wenn ein Eigengewächs bei einem großen Club in Europa spielen würde. Ähnlich wie damals beim Weggang von Alex Hleb zu Arsenal. Wechselt das Idol allerdings zu den Bayern sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.
Zur Enttäuschung gesellt sich die Wut auf die Bayern, deren Wurstel-Uli sich hinstellt und jedem das Gefühl gibt nur mit dem Finger schnippen zu müssen und jeder Spieler sofort sämtliche Identifikation mit dem alten Verein verliert nur um bei den großen Bayern anheuern zu dürfen.
In diesem Zusammenhang tut es doppelt weh, dass Mario Gomez sich auch noch öffentlich hoch erfreut über den Wechsel zeigt. Etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte ich ihm da schon zugetraut. Mit Tränen in den Augen warten wir auf das Ende der Gomez´schen Karriere in der er in der Nachbetrachtung den FC Bayern als seinen Verein nennen wird und nicht den VfB. Elber lässt grüßen.
Der Wechsel gibt aber auch jedem VfB-Fan die Möglichkeit sich Gedanken darüber zu machen warum man eigentlich VfB-Fan ist. Des Vereins wegen? Der Spieler? Des Spielers? Vielleicht hat man in den letzten Jahren den VfB Stuttgart zu sehr mit dem Namen Mario Gomez verbunden und dabei all die andern Spieler vergessen, die sich genauso für den Verein einsetzen. Cacau, Delpierre, Khedira oder Tasci zum Beispiel um nur ein paar zu nennen.
Man sollte sich auch wieder einmal bewusst machen, dass der VfB immer ein besserer Ausbildungsverein bleiben wird. Die besten Spieler werden immer vom VfB zu anderen Clubs wechseln und nicht umgekehrt. Wir werden immer mühsam um die UEFA-Cup-Plätze kämpfen, uns freuen, wenn wir die CL erreichen und alle zehn bis fünfzehn Jahre werden die Straßen in und um Stuttgart voll sein, weil wir Deutscher Meister geworden sind.
An der Vorherrschaft der Bayern werden wir genausowenig rütteln können wie Dortmund in den Neunzigern oder Bremen im neuen Jahrtausend.
Doch im Grunde ist das auch gar nicht schlimm. Dessen ist man sich bewusst bevor man VfB-Fan wird.
Auch sollte man sich bewusst machen, dass Fußballspieler Berufstätige sind, die, wie alle andern auch zu einem besseren Arbeitgeber wechseln, wenn die Möglichkeit da ist. Sie sind keine Fans. Wir sind die Fans. Die Maldinis sind auch nur bei einem Verein geblieben, weil dieser schon der Beste war.
Zuguter Letzt plädiere ich noch dafür, dass Mario ohne Pfiffe empfangen wird, wenn er mit den Bayern zurückkehrt. Wenn es einer definitiv nicht verdient hat, dann er. Die Gründe dürften jedem Fan bekannt sein, auch wenn es schwer fällt.